
Hans Fischer , Keramiker und Bildhauer
1957 geboren in Bruckmühl, Niederbayern
1978-80 Lehre bei Jörg von Manz
1980-82 Arbeit in Töpfereien in Deutschland und in Süditalien
1983 eigene Werkstatt zusammen mit Maria Fischer
Seitdem zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland

Hans Fischer
Linzer Str. 27
94032 Passau
Tel. 0851/31396
Fax 0851/37384
e-mail info@hansfischer.de
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Auswahl: 1983 Salzbrand '83. Koblenz / 1986 Galerie Bernauer Berg, Frankfurt / 1987 Keramik aus Bayern. Frechen: Keramion / 1992 Galerie Tiller, Wien, mit F.S. Mrkvicka / 1993 Danner-Preis. Bamberg: Neue Residenz / 1993 Galerie am Steinweg, Passau / 1993 Muffendorfer Keramikgalerie, Bonn-Bad Godesberg / 1994 Gefäß - Objekt - Skulptur: Zeitgenössische Keramik aus Bayern. München: Galerie für Angewandte Kunst / 1995 Galerie im Scharfrichterhaus, Passau / 1996 Galerie Arte Giani, Frankfurt, mit K. Schleinkofer / 1996 Galerie B15, München / 1997 Galerie Tiller, Wien; Galerie am Steinweg, Passau / 1998 Galerie Rosi Jäger, Hochheim/Mainz / 1999 Chr. Möller, Diessen / 2000 "Augenlust", Erfurt; Loes & Reinier, Deventer; Budweis; Maison de la Ceramique, Mulhouse; Galerie Jutta Fink, Heitersheim; Galerie im Gartenhof, Emmendingen / 2002 Galerie B15, München; Galerie B. Klee, Darmstadt; Deutsche Keramik in Japan (Tokyo, Arita, Hagi, Seto Shigaraki, Sapporo) 2000-2002; Stiftung Keramion, Frechen; Museum Grimmerhus, Dänemark und andere mehr...
Bibliographie:Salzbrand. Koblenz 1983, S. 64 /Keramik aus Bayern. Frechen 1987, S.10-11/Die junge Werkstatt. In: Neue Keramik. No. 11, Sept./Okt. 1989, S. 532/Danner-Preis. Nürnberg 1993, S.70-71/Who's who in contemporary ceramic arts. A comprehensive bio-bibliographical guide to Austria, Germany, Switzerland. Red.: Sven Koch. München 1996. S. 170-171/Dewald, Gabi: " ... wie unbekanntes Land, für das es eine neue Sprache braucht." Zur bildnerischen Arbeit von Hans Fischer. In: Keramik Magazin 20(1998), Febr./März, S.6-10

In unserer Werkstatt finden Sie Geschirr und Objekte, Dinge des täglichen und besonderen Gebrauchs.Wir möchten Sie erfreuen mit Heiterkeit, Spiel und Funktionalität. Besuch der Werkstatt am besten mit Voranmeldung.
Sortiment- und Preisliste auf Anfrage.
Sie finden unsere Arbeit u.a. auch auf dem Töpfermarktin Diessen zu Christi Himmelfahrt, im BKV in München,bei Galerie B. Klee, Darmstadt, bei Christine Mahlknecht in Bozen.
am 3. März 2002, Galerie Brigitte Klee, Darmstadt
Was haben Sie erwartet? Wie fühlen Sie sich? Gefällt Ihnen, was Sie sehen?
Fühlen Sie sich befremdet? Verunsichert? Spüren Sie leichten Ärger in sich
aufsteigen? Ratlosigkeit? Oder Ablehnung? Verdruss?
Was soll das sein? Kunst? Was wollten Sie sehen? Schöne Gefäße? Vielleicht
fühlen Sie sich ... hintergangen? - Schwere Kost an diesem Sonntagmorgen.
Sperrig, ist das alles, spröde, unzugänglich, unscheinbar gar. Hier ist
nichts mit Glanz und Farbe, mit gefälliger Form und freundlichem Witz. Vielleicht
... ist Ihnen schnell ... langweilig.
Sie mögen Geschirr von Hans Fischer kennen - im Eingang ist es zu sehen. Das
ist ... nicht gerade ... lautstark und schreiend fröhlich. Doch kommen einem
die Dinge entgegen mit leisem Lachen, mit einem versteckten Humor und milden
Farben - hier ein kleiner Dampfer, der eine langgestreckte Platte durchquert,
dort eine freundliche Wolke, die vorbei segelt, ein unförmiger Kopff
üßler vielleicht, eine krakelige Katze und hie und da ein paar eingeritzte
Worte, ein randumlaufendes Muster. - Das ist zwar eigenwillig, aber, es
streckt die Hand aus, kommt uns kommunizierend entgegen.
Und jetzt kommen Sie also hier her, "in die Galerie Ihres Vertrauens" und
kriegen so etwas zu sehen. Was soll das sein? Unförmige Klumpen, halbfertige
Gestalten, in sandigem Beige, in rostigem Braun, erkennbar mit tausend Fingerspuren
versehen, gedrückt, geformt, geknetet, hier ein kleines Loch ins
finstere Innere, dort eine unerklärliche Ausstülpung, hier beult es sich wie
aufgeworfene Erde, dort zieht es sich ein wie ein Magensack, ein Volumen
bläht sich auf wie ein unförmiger Buckel, aus einer schlaufenartigen Beuge
entwickelt sich das Gesicht eines körperlosen Wesens. Soll das "schön" sein?
- Suchten Sie das - "Schönheit"? Was ist schön?
"Anfangsleib" nennt Hans Fischer diese Ausstellung und das gibt einen Hinweis.
Zunächst einen Hinweis darauf, dass wir es hier vorwiegend mit figürlichen Arbeiten zu tun haben. Und doch liegt die eigentliche Botschaft dieses
Ausstellungstitels im Zusammenklang der beide Worte "Anfang" und "Leib".
Ein Leib, der sich bildet, ist noch weitgehend formlos, noch nicht festgelegt,
birgt viel Möglichkeiten in sich, die wir im Stadium seiner Entwicklung
noch nicht sehen, vielleicht jedoch erkennen oder erahnen können.
Was uns hier umringt ist uns fremd, denn es siedelt in diesem Rahmen jenseits
der Konvention und der ästhetischen "Abmachungen". Jenseits von einem
gemeinsamen Konsens flüstert und raunt es vor sich hin, atmet ein und aus,
wird groß und klein, betrachtet sich selbst, wächst und kollabiert, windet,
sucht, findet und verliert sich.
Die Plastiken von Hans Fischer provozieren, aber sie tun es auf eine leise,
fast schüchterne Art. Man mag diese Arbeiten als Zumutung empfinden - aus
zweierlei Gründen: Einerseits geben sie sich aufreizend unscheinbar und
nebensächlich, andererseits fordern sie immens viel von einem ab. Tatsächlich
beinhalten die freien Arbeiten von Fischer immer zwei und zumeist zwei
entgegengesetzte Impulse: Sie sind uns fremd und dabei unglaublich intim.
Sie sind schwer zu entschlüsseln - aber sie haben ganz viel mit unserem
eigenen Chaos zu tun. Sie mögen uns gegen sich aufbringen, aber sie machen
uns ganz stumm in Bezug zu uns selbst.
Natürlich könnten wir jetzt versuchen, uns mit Konstrukten zu helfen: gestische
oder figürliche Abstraktion, Arte Povera, Art brut etc. etc. - im
Köcher der Kunstgeschichte gibt es selbstredend ein paar probate Pfeile.
Aber: Sie treffen nicht, oder besser gesagt: sie können nicht treffen. Denn
Fischer zielt auf etwas ganz anderes ab. Was er meint, liegt "knapp daneben".
'Was will uns der Künstler sagen?' lautete eine klassische Frage im
Kunstunterricht? - Weiß er es denn? "Das, was mich trägt, kenne ich nicht",
heißt es in einem Text, den Fischer unlängst in München las.
Es gibt keinen Plan - schon deshalb handelt es sich hier bei nachträglich
verpassten Etikettierungen noch mehr wie sonst um eine merkwürdige Labelung,
die nicht nur die Aussage der Stücke verkleistert, sondern auch deren Intention
und der Herangehensweise des Künstlers entgegenlaufen. Auf extreme
Weise entlarvt sich bei Fischers Arbeiten der Versuch der Einordnung inKategorien der Kunstkritik als hilflose Maßnahme, um die eigene Unsicherheit
zu mindern und das Risiko zu vermeiden, sich diesen Arbeiten tatsächlich
auszusetzen. Das nur vage Formulierte, das Un-Förmig steht für das
Un-Bewusste. Die Figuren steigen aus diesem Un-Geformten auf, entwickeln
sich aus amorpher Masse, man erinnert sich an Embryonen im Frühstadium, wo
man etwa noch nicht von Fingern, aber "Fingerknospen" spricht. Was ent-steht
hier, steht hier auf, zeigt sich, hebt den Kopf, entwächst hier dem noch
Un-Gewussten? Der Schädel ist ein Fels, ein Grenzstein, ein Findling, ist
drängendes Traumbild, ist der im Urwald der Azteken geborgen riesenhafte
Kopf eines stummen Gottes, ist die Totenmaske unser eigenen Vergangenheit,
im Inneren des mächtigen Volumens hallen unsere eigenen Ängste und Hoffnungen
wider. Was ent-steht hier, steht hier auf, zeigt sich, hebt den Kopf,
entwächst hier dem noch Un-Gewussten?
Kunst ist immer eine Vor-Leistung des Kunstschaffenden, der sich ein Stück
weit zu erkennen gibt, der eine Position bezieht und eine Stellungnahme
wagt. In diesem speziellen Fall ist die Stellungnahme bemerkenswert persönlich
oder besser gesagt: schutzlos. Diese Stücke haben autistische Züge, und
doch erzählen sie viel, und zwar ausschließlich vom inneren Erleben des
Bildhauers, in seiner Begegnung mit dem Material, das er zur Form treibt -
oder was ihn zur Form treibt. In einer Art sind diese Stücke ungeschminkt,
un-übersetzt, direkt und offen - und das ist ihre große Qualität, das macht
ihren Wert, gerade auch für uns, die Rezipienten aus. Denn Fischer stellt
uns damit ein ganz ungeschütztes Stück eigenes Erkennen zur Verfügung. "Erde
in den Händen macht etwas, es regt die Hände, die Füße, den Körper dazu an
zu zeigen, was innen da ist", heißt es in oben zitiertem Text weiter.
Man kann sehen, wie diese Formen entstanden sind: tastend. Die Finger des
Bildhauers tasten sich voran, vom Boden der Figur hinauf, diese Hände formen
im eigentlichen Sinne nicht: sie forschen vielmehr. Scheinen weniger zu
gestalten, wie zu entdecken. Man assoziiert etwa das Bild eines Menschen in
einer vollkommen finsteren Höhle, in der er sich entlang der Wände, Gebilde
und Räume tastet, die er nicht sieht und deshalb intensiv und Zentimeter um
Zentimeter erkundet und befragt, ehe er den nächsten Schritt zu setzen wagt
und dessen Fingerabdrücke uns nun sichtbar gemacht werden. Ich stelle mir
vor, dass Fischer etwa am Morgen in sein Atelier geht und sich dabei wie ein
Höhlenforscher abseilt in sein inneres Labyrinth, dass er ganz verschwindet,
in den ihm selbst nur teilweise bekannten, lichtlosen Systemen seiner eigenen
Existenz. Wenn ich dann in sein Atelier käme, wäre er gar nicht da, nur
irgendwo gäbe es einen Spalt oder eine Öffnung, in die ich vielleicht hineinriefe,
um nichts zu hören als den Schall meiner eigenen Stimme. "Wo bist
du?" würde etwa, vielfach verstärkt, als Frage an mich selbst zu mir zurückkommen:
Wo bist du? - Wo bin ich? Wo stehe ich? Was sehe ich, erkenne ich?
Schließlich würde aus dem 'Wo bist du' 'Wer bist du?' - wer bin ich?
Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das im Grunde jeder Künstler
tut: aus dem eigenen inneren Erleben schöpfen. Aber wenn Fischer nun wieder
auftaucht aus diesen leisen Reisen durchs Dunkel, dann fasst er die gewonnene
Erkenntnis nicht in Form. Er "macht" nichts daraus, es gibt keine
Um-setzung, er bereitet nichts für uns auf. "Es geht nicht um Bild, es geht
um Entsprechung", sagt er an einer Stelle. Was er zeigt und sichtbar macht,
sind quasi Mitbringsel seiner Exkursionen, eine Art Spurensicherung und die
Eins-zu-eins-Abdrücke, die er in und von den Katakomben des Unbewussten
anfertigte, von dem, was ihm dort begegnete. Genau das macht die existenzielle
Kraft dieser Stücke aus, genau hier fallen Banalität und Ungeheuerlichkeit
in eins und dass man an Fischers Stücken sowohl achtlos vorbeigehen
kann, als sie auch als Eingang zu sich selbst verstehen und nutzen mag. "Die
leibliche Anwesenheit von Innerem, was ich ja sonst nicht sehen, anfassen,
begreifen kann, verstört und ist gleichermaßen schon lange bekannt",
beschreibt Fischer diese auch unsere -Reaktion mit eigenen Worten.
Nun könnte man dem Künstler den Vorwurf des Selbstreferentiellen machen: Was
interessiert mich sein Innerstes nach außen gekehrt? Doch wäre das ein Missverst
ändnis: Denn Fischer beschreibt keine Befindlichkeiten und Zustände,
sondern Strukturen. Diese Strukturen sind natürlich subjektiv, jedoch völlig
offen formuliert. Was daran interessiert, ist der Prozess, ist das Menschsein,
das er mit uns allen teilt, das In-die-Welt-geworfen-Sein, das nurmehr
tastende Sich-zurecht-Finden, sobald wir den ausgeleuchteten und bekannterma
ßen kleinen Teil unseres Bewusstseins, der Konvention und der gesellschaftlichen
Übereinkünfte verlassen. "Anfangsleib" ist diese Ausstellung
überschrieben. "Anfangsleib", das ist der Planet, die Figur, wie sie sich
jeder von uns weiter denken kann, diese Behältnisse können wir, jeder von
uns selbst, begehen, erkunden, weiter treiben, umbauen, bewohnen. Die Plastiken
repräsentieren den "Anfangsleib", so wie er uns allen eigen und
anteilig ist. Warum zeigt uns Fischer das? "Der Sinn des Zeigens?" fragt er
selbst: "'Sprache', zwischen den Orten in mir und 'Sprache' zwischen Objekt
und dem Schauenden, Begreifenden." Das sind wir.
Wenn diese Dinge mit uns reden, dann tun sie es leise. Sie schildern unaufdringlich,
aber genau die Räume, die nach unserer eigenen Verortung fragen
(Wo bist du?), die Figuren, die uns an unser eigenes - werdendes? - Profil
erinnern (Wer bist du?), die Spuren, deren Verlauf sie uns auffordern, im
Weiteren selbst fortzusetzen (Wohin gehst du?). Ungleich milder wie der
Cartoon von Ad Reinardt werfen sie die Frage: 'Was stellt dies dar?' auf uns
zurück. Was stellen wir dar? Und auch die Frage nach der Schönheit wird an
den Fragesteller zurückgegeben: Bist du schön? Was ist schön?
Doch fragen sie niemals fordernd, gar anklagend. Sie scheinen sich vielmehr
in sich selbst zurückzunehmen, manchen mag gerade das provozieren. Wenn sie
auf etwas bestehen dann darauf, dass alle Ent-Wicklung mählich vor sich
geht, sie lassen uns Zeit, wie sie sich Zeit ließen, um zu entstehen. Es ist
die Zeit, die wir für ihr Erforschen und Kennenlernen ebenfalls aufwenden
müssen, um zu begreifen, was diese Volumen und Gebilde mit uns selbst zu tun
haben. Wenn sie eine Erkenntnis transportieren, dann am ehesten die, dass
eben alle Form aus dem Formlosen kommt und dahin zurückgeht. Die "Leibwerdung"
ist lediglich die schmale, temporär begrenzte Plattform, auf der Kommunikation
zwischen Menschen möglich wird, über sich und die Welt, die sie -
sichtbar und unsichtbar - umgibt. Doch verhält es sich mit dieser Plattform,
diesem Zeitfenster, in dem die Dinge Gestalt annehmen, wie mit der berühmten
Schiffsplanke im Ozean. Auch daran erinnern Fischers Forschungen.
Ich selbst finde die Sanftheit dieser Skulpturen schön. Dass sie zulassen,
bei ihnen zu verweilen. Dass ich sie erkunden kann mit meinen Augen, ihnen
nachgehen kann, dass sie mir über das Werden erzählen noch lange bevor sich
dieses Werden an einem Bild oder einem Ziel ausrichtet. Dass sie keine Grenzen
ausweisen, weil sie jenseits der Begrenzung entstehen. Dass sie mich an
den Ursprung erinnern, gerade in der Sekunde, als sich Materie und Idee
treffen und beginnen, aneinander tastend zu wachsen. Weil sie auch mir nocheinmal einen "Anfangsleib" zur Verfügung stellen, mir anbieten, zurückzugehen
hinter die funktionierenden Festlegungen der sichtbaren Formen meiner
Existenz.
Ich finde schön die Freiheit, die sich autark und autonom auslotet und als
gültig behauptet und mir Mut macht zu mir selbst. Mich ermutigen die Erkundungen
des Künstlers und die Zeugnisse, die er uns davon überlässt, selbst
aufzubrechen. Zurück zu uns.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Gabi Dewald
Lorsch, Februar/März 2002
© Gabi Dewald
| Pressearchiv Diessen |
WO SICH GUT KERAMIK MACHEN LÄSST …
Bekannte Werkstätten im Spiegel der Zeit
DIESSEN.– Diessen ist ein Ort, an dem sich gut Keramik machen lässt. Das haben die Töpfer frühzeitig gespürt. So ist die Hafner-Tradition auch über Jahrhunderte nie unterbrochen und bis heute weiter getragen worden.
Nach der Blütezeit im 19. Jahrhundert waren in Diessen noch 20 Hafner-Generationen bekannt. Aber die Zeit veränderte sich und die Hafner stellten auf Kunstgewerbe um. Fürs keramische Schaffen brach eine neue Ära an, vor allem um die Werkstätten bekannter Töpfer wie die der Bauhausschüler Hilde und Erich Kloidt, um die sich junge Künstler scharten, die neugierig waren auf die neue Zeit. Außerdem traten in Diessen Künstlerpersönlichkeiten auf, die später in die Keramikgeschichte eingingen.
Martin Ganser, ein Hafnermeister alter Tradition hatte bedeutende Schüler. Darunter verdient Theo Schmuz-Baudis Erwähnung, der 1902 an die staatliche Porzellanmanufaktur in Berlin berufen wurde. Bei Ganser töpferte auch Adelbert Niemeyer, Lehrer an der Kunstgewerbeschule in München. Auguste Papendieck, 1873 in Bremen geboren, war die erste Frau, die die Meisterprüfung im Töpferhandwerk abgelegt hat. Paul Dresler ließ sich 1910 in Diessen nieder. Er studierte zunächst Medizin, dann Malerei an der Debitz-Schule. Danach wurde er Töpfer. Er ließ sich bei Joseph Schormayer, einem Diessener Hafner, ausbilden, der in volkstümlicher Überlieferung tätig war.
Hanna Wienholz kam 1919 an den Ammersee. Ihre Werkstatt war für viele Diessner Keramiker die erste Anlaufstelle. Im Frühling 1920 eröffnete Max Fehr eine keramische Werkstätte zusammen mit den ehemaligen Kunststudenten Hans Seelos, Fritz Fürst und Hans Göbel. In der Werkstätte Seelos arbeitet man heute noch in der seinerzeitig charakteristischen Unterglasur-Malerei.
Von Bedeutung wurden auch die Werkstätten von Heribert Kiechle und Friedrich Hudler. Letztgenannte entwickelte sich zum größten Keramikbetrieb am Ort. Walter Popp schließt den Kreis der für Diessen bedeutenden Keramiker. Er kam von der gestaltenden Fotografie und befasste sich seit 1948 als Autodidakt und Schwiegersohn von Paul Dressler mit Keramik. Sein Bestreben war es, die Aussagekraft keramischer Formen zu intensivieren. Er wurde Keramik-Pädagoge in Kassel und verstand es, junge Keramiker zu Höchstleistungen zu motivieren. Viele seiner Schüler zählen heute zu den namhaften Töpfern der Gegenwart. Dass Diessen den Ruf einer Künstlerkolonie genießt – dazu hat die Keramik mit über 30 Werkstätten in diesem Jahrhundert beigetragen.
In Diessen am Ammersee ist die Keramik zuhause:
Der Ort des guten Tons
DIESSEN.– In der Marktgemeinde Diessen am Ammersee ist die Keramik zu Hause. Seit dem Mittelalter. Viele fragen sich warum. Die Antwort ist ganz einfach: Große Tonlagerstätten auf den Diessener Fluren begünstigten die Entwickung des Hafner- und Zieglerhandwerks. Im 14. Jahrhundert gab es bereits Ziegeleien, was Flurnamen wie Ziegelstadel, Ziegelwiese und Ziegelboden beweisen. Sie erinnern noch heute an dieses Handwerk, das den Bedarf an Dachziegeln, Dachreitern, Ziegelsteinen, keramischen Bodenplatten und Geschirr deckte.
Dass die Töpferei blühte, hängt aber auch mit der sozialgeschichtlichen Entwicklung des Ortes
zusammen, in dem die Landwirtschaft untergeordnet war, stattdessen Handel und Handwerk die Struktur bestimmten. Größter Auftraggeber war das Kloster, außerdem wurden die Diessener Waren im ganzen Pfaffenwinkel und darüber hinaus verhandelt. Die Bevölkerung in Diessen war zu keiner Zeit eine rein bäuerliche und daher nicht vergleichbar mit Orten in der Nachbarschaft.
Schon im 11. und 12. Jahrhundert hatte Diessen den Status einer Kleinstadt und war damals bedeutender als die heutigen Kreisstädte Weilheim und Landsberg/Lech. In der Nachfolge der Grafen von Diessen und Andechs, prägte das große Augustiner Chorherrenstift den Ort am Ammersee. Die geistlichen Herren betrieben eine Siedlungspolitik, die auf das Gewerbe
setzte. Handwerker gestalteten den Ort und das Kloster gab ihnen Brot und Arbeit. Das Kloster mit seinem Repräsentationsbedürfnis war größter Auftraggeber für Kachelöfen und dekorative Objekte, was durch Rechnungen und Briefprotokolle nachgewiesen ist. In diesen Protokollen
ist genau festgehalten, wie Ökonomie- und Klostergebäude ausgestattet wurden und wie viele Gulden die Hafner dafür bekommen hatten.
Im Verhältnis zu Holz verarbeitenden Handwerkern, oder zu Bäckern, Metzgern und Schustern, die den alltäglichen Bedarf deckten, war die Zahl der Hafner für die damals 200 Häuser in Diessen überproportional hoch. Sie stellten wesentlich mehr Tonwaren her, als für die lokale Versorgung nötig waren. Die bisher älteste Urkunde stammt aus 1631. Sie besagt, dass die drei ansässigen Hafner sich nur ernähren können, weil sie „plab und weiß Geschirr“ in ferne Städte verhandeln.
Auch die Ausstattung der Kloster-Apotheken in der Region, die von den oberbayerischen Seen bis in die Alpen reichte, bescherte den Töpfern eine Menge Arbeit. Salbengefäße, Schalen, Krüge und spezielle Geschirre bildeten die Basis für Verdienstmöglichkeiten im Pfaffenwinkel, wo es damals mehr Klöster auf kleinem Raum gab, als anderswo. Dabei haben sich die Diessener auf die handwerkliche Fayence-Herstellung spezialisiert. Begünstigt durch hervorragende weiß deckende Tone, die sich für die weißen Glasuren eigneten, die – mit blauen Symbolen und Dekoren bemalt – als „Diessener plab und weiß” in die Geschichte
eingingen, florierte der Handel prächtig.
So kommt es gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu einem Zuwachs auf acht Anwesen in denen Hafnergeschirr hergestellt wurde. In Diessen gab es zu dieser Zeit 328 Häuser. In einer Schilderung von Michael Wening, zu Beginn des 18. Jahrhunderts findet sich folgende Bemerkung: „Man macht auch diß Orths vil schönes weisses Hafner-Geschirr, so weit und brait
verhandelt wird.” Daraus lässt sich schließen, dass die Fayencen, die in Diessen produziert wurden, wohl hauptsächlich für den Verkauf nach auswärts bestimmt waren.
Für den täglichen Gebrauch stellten die Hafner bis ins 19. Jahrhundert Irdengeschirr her. Davon wurde in jedem Haushalt viel verbraucht zum Essen und Trinken, für Milchverarbeitung, Vorratshaltung und vieles mehr. Hier sind die Tone der Region von größter Bedeutung gewesen, denn Glas war für die Bevölkerung zu teuer. So hat sich das Handwerk der
Hafner fest etabliert. Einen Höhepunkt gab es dann in den 1920-er Jahren, heute produzieren zehn Werkstätten am Ort.
Zu Besuch bei einer bekannten Keramikerpersönlichkeit Im Keramikgarten von Ernst Lösche DIESSEN.– Er ist das ganze Jahr über ein Genuss, aber im Frühsommer, da versprüht er so viel Charme, dass man sich schwer trennt und den Besuch möglichst lange hinauszieht: Der Keramikgarten von Ernst Lösche ist die liebenswürdigste Begegnung mit der Diessener Hafner-Tradition, und es ist ein erlebnisreicher Spaziergang durch das zeitgemäße Schaffen einer großen Keramiker-Persönlichkeit. Ernst Lösche gelingt es Jahr für Jahr, sein blühendes Paradies am Kirchsteig in Diessen – mit der direkten Blickachse über die Kreuzkapelle zum Marienmünster und bei klarem Wetter bis hinüber auf die Ostseite des Ammersees nach Kloster Andechs – in ein Refugium zu verwandeln, das die enge Beziehung zwischen der Natur und dem Naturmaterial Ton genial in Szene setzt. Es ist eine eigene Welt, fernab des Trubels und trotzdem dem Marktzentrum ganz nah. Ein vitaler und vor allem auch farbenprächtiger Kosmos, in der sich die keramische Welt mit der naturnahen Gartenkultur auf eine untrennbare Verbindung einlässt. Was so natürlich ausschaut und die Seele zum Lächeln bringt, ist eine Kulturlandschaft mit eigenem Reiz. Entstanden durch die sanfte Regie eines Menschen, mit großem Respekt vor der Schöpfung. Alles, was um den Ammersee an Gewächsen zuhause ist, schmückt und ziert sich mit im Sonnenlicht gleißenden Lüsterglasuren, mit Gartenzier im überlieferten Diessener plab und weiß, mit den für die Töpfertradition so berühmten Dekoren aus Spirale, Vogel, Granatapfel und aus Symbolen der Marien-Verehrung. Ernst Lösche zeigt auf dem traditionsreichen Grundstück mit den historischen Gebäuden, darunter auch ein Turm, in dem einer der letzten Pröpste des Augustiner Chorherrenstiftes Diessen nach der Säkularisation zuhause war, alle tönernen Spielarten. Angefangen von überlieferten Formen des Gebrauchsgeschirrs bis zu den ideenreichen Varianten der Gartengestaltung mit Pflanzgefäßen, Schalen, Objekten. Im Mittelpunkt steht die Gartenkugel. Eine Überlieferung der Barockgärten, die Ernst Lösche vor über 45 Jahren wieder belebte, ihr zu neuer Blüte verhalf und sie ständig weiterentwickelt. Das Besondere: Original Lösche-Rosenkugeln aus Fayence oder Porzellan, bemalt, gelüstert oder mit Ascheglasuren gestaltet, gehören heute zu jeder zeitgemäßen Umsetzung anspruchsvoller Gartenkultur. Im Keramikgarten geschieht aber viel mehr: An den Freilandöfen, die den Brennstellen der alten Diessener Hafner nachgebaut sind, demonstriert Ernst Lösche Brennmethoden der Vorfahren. Immer wieder sehens- und erlebenswert sind die Schwarzbrände. Im Reduktionsverfahren gebrannt, entstehen Keramik-Unikate in unglaublich vielfältigen Schwarz-Varianten, was dem Keramiker und international gewürdigten Forscher den Namen „Schwarzbrenner vom Kirchsteig” einbrachte. Dazu zeigt Lösche im Keramikmuseum – mit Blick auf den Keramikgarten – die Entwicklung der Diessener Keramik vom elften Jahrhundert bis heute. Auf dem Keramikweg durch Diessen entdeckt der Spaziergänger im Westen der Marktgemeinde das Diessener Keramikzentrum: Die Werkstätten Lösche und Larasser am Kirchsteig. Werkstattführungen und Museumsbesuch auf Anmeldung unter Telefon 00 49 - 88 07 – 18 77, während des Töpfermarktes täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr.